Parkour - du willst ein Yamakasi werden ?
Es gibt Läufer und es gibt Traceure. Sportler achten auf ihre Gesundheit, sie ernähren sich ausgewogen, bemühen sich, mehrmals wöchentlich ihr Training zu absolvieren, sind bestens über neue Sportschuhe informiert, tragen Shirts mit Alu-fäden und wissen stets, welche Joghurts sie essen müssen, damit sie mit mehr Calcium ihre Muskeln aufbauen. Das gelingt ihnen auch. Aber wenn es zur Sache geht und Traceur und Läufer gegeneinander antreten, dann zeigt sich, wer die Theorie in die Praxis umsetzt. Traceure sind Parkour-Läufer. Sie messen nicht ihren Puls oder ihre Atmung. Sie schnüren ihre Sportschuhe, wärmen sich gründlich auf und dann zeigen sie, was sie können. Parkour ist mehr als Sport. Parkour ist Philosphie, ist Überzeugung und manchmal auch Lebensinhalt. Wer hier mitmachen will, muss nicht mehr mitbringen, als seine schnellsten Schuhe und den Willen mehr aus sich zu machen. Es geht nicht darum, andere zu beeindrucken, anzugeben oder sich als Gewinner darzustehen. Es geht um den Sieg über sich selbst.
Um ein Yamasaki zu werden, muss man sogar noch mehr leisten. Und je mehr man leistet, desto mehr bekommt man zurück und das gilt auch für die anderen Traceure. Es gibt keine Aufnahmeprüfungen und keine Teilnahmebedingungen. Der Wille zählt, während das Alter wieder keine Rolle spielt. Die jüngsten Traceure sind vielleicht 6 Jahre alt, der älteste bekannte Sportler Mitte 40. Das Alter ist also eine denkbar schlechte Entschuldigung, sich nicht an Parkour zu wagen. Der Sport richtet sich sogar an Sportanfänger. Sicherheit ist oberstes Gebot. Wer seine ersten Schritte macht, beginnt mit kurzen Läufen, aus dem später ein Konditionstraining wird. Wieso immer langsam gehen, warum nicht auf dem Weg zum Bus mal joggen? Warum nicht die Ideologie von Parkour von Anfang an in den Alltag einfließen lassen. Parkour-Läufer verfügen über ein ganz besonders Körpergefühl und das beschränken sie nicht auf ihre Freizeit. Es gibt keinen Grund, gemessenen Schrittes zur Bushaltestelle zu gehen und es gibt noch weniger Gründe, den Weg vom Auto zur Haustür nicht rückwärts zu rennen und sei es nur, um das Körpergefühl zu stärken. Wer in Bewegung bleibt, bleibt jung. Das Alter ist steif und unglücklicherweise ist es auch noch stolz darauf. Dabei hat es jeder selbst in der Hand. Die Kunst besteht nicht darin alt zu werden, sondern die Kunst besteht darin, alt und beweglich zu bleiben und je früher man damit anfängt, desto besser.
Mit dem Parkour nimmt es seinen Anfang. Sprünge, sauber ausgeführt, sind die Basis. Traceure sind nicht leichtsinnig. Sie sind Akrobaten, kennen ihre Fähigkeiten, trainieren sorgfältig und gehen weniger Risiken ein, als jemand, der nach 10 Stunden im Büro und reichlich Fast-Food einige Kilometer durch den Wald läuft. Bis ein Traceur es zum Yamasaki gebracht hat, vergeht viel Zeit. Viel Kraft und Zeit wird investiert und eines Tages ermutigen die anderen Teilnehmer den neuen Traceur den Sprung zu wagen. Jeder kennt die Videos von youtube. Gewaltige Sätze über Mauern, Läufer, senkrecht die Mauern hinauf und nach einem Salto wieder auf dem Boden aufsetzen, der Traceur ist ein Künstler. Er unterwirft sich nicht, sondern sieht den Gegnern ins Auge und trotzt ihnen. Dabei nimmt der Traceur es auch in Kauf, zu scheitern. Im Schnitt geht jeder 50. Sprung schief. Der Sprung geht schief.. der Traceur scheitert nicht. Wer einen Fehler macht, lernt daraus und das gilt für den Yamasaki umso mehr. Der Yamasaki bringt seine sportliche Leistung für sich. Und auch wenn es nicht das Ziel ist, dass sich die Menschen auf der Straße nach ihm umdrehen, so geschieht doch genau das. Unverständnis und Bewunderung wechseln einander ab, wie auch das Erstaunen darüber, was der menschliche Körper zu leisten vermag, wenn man ihm nur die Chance gibt.