Parcour- der Sport für alle die anders sind
Alles begann mit David Belle. Der 1973 geborene Franzose, der heute von Beruf Schauspieler und Stuntmen ist, war der erste Parcour-Sportler. Vorbild war ihm dabei sein Vater, ein Soldat, der mit ihm durch Frankreichs Wälder rannte und sich dabei von keinem Hindernis aufhalten ließ. Beeindruckt von der Leichtigkeit, mit der ein gesunder und gut trainierter Körper auch hohe Hindernisse überwinden kann, übertrug Belle die erarbeiteten Fähigkeiten auf den Lauf in bebauten Regionen.
Lisse, in der Nähe von Paris, war die Trainingsstätte des jungen Franzosen, der so im wahrsten Sinne des Wortes über Tische und Bänke ging, bis er sich nicht einmal mehr von Hausmauern aufhalten ließ.

Die Teilnehmer von Parcour nennen sich Traceure. Sie sind keine leichtsinnigen jungen Sportler, die sich gern in Lebensgefahr bringen. Tatsächlich sehen sie sich viele von ihnen als Bewegungskünstler. Es ist auch nicht das Ziel, dass sie andere mit ihrem Können beeindrucken wollen. Zwar gibt es offizielle Wettkämpfe, doch dabei treten die Traceure vor allem gegeneinander an, um voneinander zu lernen. Insgesamt sind nur wenige von ihnen in Vereinen organisiert.
Der Traceur beginnt mit kleinen Übungen. Sprünge über Pfützen oder Beete sind der Einstieg. So beginnen alle Anfänger. Später kommen Treppen und Bänke dazu. Auch dann geht es darum, die Technik stets so zu verfeinern, dass die Verletzungsgefahr so gering wie möglich ist. Für den Einstieg als Jugendlicher oder Erwachsener sind gute Sporterfahrungen nahezu unerlässlich, wenn sich auch vieles während des Trainings erlernen lässt. Quereinsteiger aus dem Kampfsport haben es da besonders einfach, denn für sie ist Körperspannung kein Fremdwort. Das gilt auch für das mentale Training, das für Parcour wichtig ist. Auch Falltechniken gehören beim Kampfsport dazu und die reduzieren das Verletzungsrisiko erheblich. Traceure brauchen außerdem ein sehr gutes Gleichgewichtsgefühl, denn das Balancieren auf Mauern und später auch auf Hausdächern stellt allerhöchste Ansprüche an das Körpergefühl.
Um ein Yamakasi zu werden, ein Mitglied jener Parcourläufer, für die die effiziente Ausführung jeder Bewegung an erster Stelle steht, ist intensives Training nötig. Das Wort Yamakasi stammt aus dem asiatischen Raum. Es ist ein Schlachtruf, den Kampfsportler nutzen. Weniger, um sich Mut zu machen, sondern um alle Kraft zu sammeln und sich zu konzentrieren. Für Anfänger ist Yamakasi nicht geeignet.
Heute können interessierte Sportler sich locker strukturierten Gruppen anschließen und sich dort wertvolle Tipps holen. Ausgelacht wird niemand. Neulinge werden freundlich begrüßt, aber auch nicht unbedingt hofiert. Wer dabei sein will, muss oft auch beweisen, dass der Sport für ihn kein Modetrend ist, sondern echte Überzeugung dahintersteckt.
Das Training beginnt mit dem gründlichen Aufwärmen, um das Verletzungsrisiko so gering wie möglich zu halten. Am Anfang stehen die Basics. Dabei geht es darum, nicht nur die verschiedenen Sprungtechniken zu erlernen, sondern auch präzise zu springen und an der Sprungkraft zu arbeiten. Ein Traceur achtet stets auf seine körperliche Verfassung. Er nimmt Rücksicht auf die Tagesform und lebt die Einheit zwischen Körper und Geist. Die nächste Übung wird immer erst eingeläutet, wenn die vorangegangene Übung auch problemlos klappt.
Der Traceur ist in der Stadt an Recht und Gesetz gebunden. Der Sport wird in der Gesellschaft kritisch beäugt, obwohl sich fast alle Traceure bemühen, niemanden zu belästigen. Deshalb dürfen keinesfalls fremde Grundstücke betreten werden. Das macht es für die Sportler nicht immer leicht. Sie sind deshalb vor allem auf öffentlichen Flächen unterwegs.
Parcour ist in Deutschland noch relativ unbekannt, wenn sich auch Parcourläufer in immer mehr Spielfilmen wilde Verfolgungsjagden liefern. Kostenintensiv ist der Sport nicht. Sehr gute Sportschuhe mit viel Grip sollten allerdings selbstverständlich sein. Ansonsten genügt bequeme Sportkleidung. Parcour eignet sich für fast jedes Alter. Ab etwa 6 Jahren können Kinder beginnen. Der älteste bekannte Traceur ist etwa Mitte 40.